
Seit 1993 schenkt die Evangelische Akademie Bad Boll nur noch Fairtrade-Kaffee aus.
"Bei unseren Fachtagungen war schon immer viel von Gerechtigkeit, sozialem Engagement und Umweltbewusstsein die Rede", sagt Jobst Kraus, Studienleiter Umweltpolitik und nachhaltige Entwicklung der Evangelischen Akademie Bad Boll. "Irgendwann dachten wir uns, dass die Signale, die bei solchen entwicklungspolitischen Seminaren gesendet werden, für Kopf und Bauch gleich sein müssen".
Acht Stunden lang über Nachhaltigkeit reden und in der Mittagspause Kantinen-Fast-Food verdrücken? Das passt nicht zusammen. Und ebenso wenig war einzusehen, warum man als sozial engagierter Teilnehmer von Bad-Boll-Seminaren nicht auch fair gehandelten Kaffee trinken sollte. So war in der Akademie die Umstellung auf eine "Ökofaire Küche" irgendwann zwangsläufig. Seither werden die Gäste in Bad Boll rundum mit Produkten versorgt, die für den eigenen Gaumen und Magen, für die Umwelt und fürs soziale Gewissen gleichermaßen gut verträglich sind.
Seit 15 Jahren Fairtrade-Kaffee in der Akademie
Rund 1.200 Kilo fair gehandelten Kaffees brühen die Mitarbeiterinnen in der Akademie mittlerweile jährlich für Gäste auf. Verwendet wird dabei der biologisch angebaute "café organico" von UCIRI in Mexiko. Die Genossenschaft wurde 1980 von 4000 indianischen Kleinbauern gegründet. Sie verfügt über ein eigenes Vermarktungs- und Transportsystem und hat den ausbeuterischen Zwischenhandel ausgeschaltet. Das Geld für den Kaffee kommt also direkt bei den Kleinbauern an. Und der Kaffee aus Mexiko schmeckt lecker, wie auch Ingrid Hess, hauswirtschaftliche Betriebsleiterin in Bad Boll, bestätigt: "Unser Kaffee ist magenfreundlich und mild und trotzdem sehr aromatisch."
"Unsere Mitarbeitenden waren sofort bereit, ein wenig mehr für den fair gehandelten und besseren Kaffee zu bezahlen", so Hess weiter. Im Gästebereich hingegen sei der Preis nicht einmal erhöht worden, erklärt Ingrid Hess: "Wenn man mit dem fairen Kaffee sorgsam wirtschaftet, dann entstehen kaum höhere Kosten." Schokolade, Bananen, Tee, Essig, getrocknete Mangos und Quinoa zum Kochen - all das kommt in Bad Boll ebenfalls aus Fairem Handel. Milch, Quark, Obst und andere Produkte werden dagegen mit Vorliebe vom benachbarten Bauern bezogen. Die regionale Landwirtschaft stärken und gleichzeitig die Kleinbauern im Süden unterstützen - das geht in der Akademie Bad Boll eben prima Hand in Hand.
Die Akademie im Internet: www.ev-akademie-boll.de